In einer Arbeitswelt, in der Motivationsschreiben der Vergangenheit angehören, haben Arbeitnehmende mehr Kapazität für Aufgaben, die ihre Karriereziele tatsächlich voranbringen. Das 2022 gegründete Startup Empion macht dies möglich – mit dem ersten automatisierten Headhunting-System, das Talente unterhalb der Führungsebene auf Basis von Fähigkeiten, Werten und Persönlichkeitsmerkmalen mit passenden Unternehmen vernetzt. Wir sprachen mit Mitgründerin Dr. Annika von Mutius über ihre Gründungsreise und Visionen.

In einer Welt, in der jede:r Unternehmer:in auf Herausforderungen mit der mentalen Gesundheit stößt, soll Namascae eine psychologische Plattform werden, auf welcher Impact-Founder einen Raum bekommen, Unklarheiten in der Welt besser zu navigieren. Wir haben mit der Gründerin Carina Schulte, welche aktuell Gründer:innen noch im 1:1 betreut, über Entwicklungen und Unsicherheiten im Startup Ökosystem gesprochen.
Zwischen 2019 und 2024 wurden jährlich im Schnitt ca. 2700 Startups in Deutschland gegründet. Die Zahl der Startup-Insolvenzen liegt mit 286 im Jahr 2023 und 336 im Jahr 2024 bei über 10 % der jährlichen Neugründungen.1 Die Liquidation, also die Auflösung des Unternehmens mit über 800 im Jahr 2024 sogar deutlich höher.2 Gegen diese Zahlen zu arbeiten ist eine immense Belastung für die psychische Gesundheit von Gründer:innen.

Carina Schulte, Gründer:in von Namascae sagt: „Wenn man sich die Herausforderungen eines Unternehmensaufbaus ansieht, ist wenig verwunderlich, dass laut Studien 72 % der Gründer:innen auf Herausforderungen mit ihrer mentalen Gesundheit stoßen.”3 Diese Persönlichkeiten erschaffen teils innovative Systeme und gerade Erstgründer:innen greifen dabei nicht auf einen bestehenden Baukasten an Strukturen zurück, sondern errichten diese über Jahre hinweg selbst. Dabei gefährden sie ihr Leben oft finanziell und gesundheitlich und tragen zusätzlich noch Verantwortung für ein Team. Die Zahl könnte also kaum geringer sein.
51 % der Gründer:innen sehen übrigens Resilienz als wichtigste Fähigkeit, wichtiger noch als analytische Fähigkeiten und Vision.4 Von Resilienz wird gesprochen, wenn sich ein Mensch trotz belastender Lebensumstände und Krisen psychisch gesund entwickelt.5 Laut der Wirtschaftspsychologin und Gründerin baut sich die Fähigkeit zur Resilienz durch jede Herausforderung und Eigenreflexion zum Umgang mit dieser auf, quasi als trial and error.
„In einer Welt, in der Unsicherheiten durch politische Veränderungen, technologische Durchbrüche und Klimawandel immer größer werden, fühlt sich Planung unmöglich an.”

„Aber der Umgang mit Ungewissheit ist erlernbar,” erzählt Carina. Sie spricht darüber, dass Gründer:innen Stress unterschiedlich wahrnehmen und darauf reagieren. So erbringen manche unter Stress, der Aussicht negativer Konsequenzen und Deadlines persönliche Höchstleistungen (eng. stress is enhancing mindset) und für andere wirkt Stress belastend und ruft einen Zustand hervor, in dem sie sogar handlungsunfähig werden können (eng. stress is debilitating mindset). Psycholog:innen können in solchen Momenten helfen, Gedanken umzustrukturieren, damit Gründer:innen lernen, bessere Entscheidungen zu treffen.
„Ein Land ist darauf angewiesen, dass Unternehmer:innen erfolgreich sind.”
Dass jede:r zweite Befragte überlegt, das Startup im selben Jahr zu beenden,6 empfindet sie als ganz natürlich, denn es sei menschlich, in solch zehrenden Phasen Entscheidungen zu hinterfragen. Sie würde sich aber wünschen, dass mehr als 23 % der Befragten, Hilfe in Anspruch nehmen würden.7
Das Problem sieht sie vor allem im Stigma. Selbst Eltern von Gründer:innen betrachten eine psychologische Betreuung als Eingeständnis einer ungenügenden Kindheit. Gleichzeitig fehle es vielen in kritischen Momenten an Kapital – insbesondere ohne Stipendium.
Als Positivbeispiel nennt sie das Exist-Stipendium, das mit einem Coaching-Budget hilft, den Spalt zu schließen. Aber nicht jede Gründungsidee ist förderfähig und manche Gründer:innen möchten lieber direkt loslaufen statt einen intensiven Bewerbungsprozess zu durchlaufen.
„Ich glaube, dass man wertebasiert arbeiten und trotzdem auch Geld verdienen darf.”
Am liebsten begleitet sie Gründer:innen, für die es wichtig ist, wertebasiert zu arbeiten und eine integre Unternehmens-DNA um ihre Vision herum aufbauen möchten. Sie erkennt auch die Herausforderungen an, die externe Investor:innen mit ins Spiel bringen: Plötzlich treten neue Interessen, Werte und wirtschaftliche Erwartungen ins Bild. Der Druck steigt – Wachstum wird zur obersten Priorität, während die ursprüngliche Mission zunehmend hinter den Skalierungszielen zurücktritt. Und insbesondere das Thema Gesundheit ist nichts, das Gründer:innen mit Investor:innen besprechen, sondern im familiären und freundschaftlichen Umfeld. Hier ist es besonders wichtig, sagt sie, einen Raum für persönliche Reflexion zu schaffen und damit die eigene Entscheidungsfähigkeit zu stärken.
Werte zwischen Wissenschaft und Umsatz
Mit ihrer ersten Arbeitserfahrung im Bankwesen baute sich ein Spannungsfeld zwischen Umsatz und Werten auf. Mit Menschen wollte sie arbeiten, aber nicht um jeden Preis verkaufen.
Auch durch den Wechsel in die freie Wirtschaft löste sich die Spannung nicht. Denn das Studium International Business und der Master in Wirtschaftspsychologie halfen ihr zu verstehen, wie Menschen denken und Entscheidungen treffen, aber auch, wie man dieses Wissen für erfolgreiches Marketing einsetzt.
In einem BioTech Startup übernahm sie damals das Department für Brand Strategy Development. Aber noch vor Ende der Probezeit verließ sie das Unternehmen – die inspirierende Vision, die sie ins Unternehmen gebracht hatte, suchte sie vergeblich in der Unternehmenskultur und den aktiv gelebten Werten.
Als Community Managerin half sie, das Entrepreneurship Centre an der Frankfurt School of Finance & Management aufzubauen – einen Inkubator und Accelerator für Startups. Der Kontakt zu einer breiteren Palette an Gründer:innen brachte sie auf die Idee, tiefer in die Zusammenarbeit einzutauchen, um Unternehmenskulturen der Zukunft nachhaltig und werteorientiert zu gestalten. Entschieden hat sie sich schließlich für den rein wissenschaftlichen Ansatz, der Gründer:innen Tools mitgibt, ihr Gehirn besser zu verstehen und eine gesunde Beziehung zu ihren Gedanken zu entwickeln.
„Wie wir mit anderen interagieren, beginnt immer bei uns selbst.“
Um mehr Gründer:innen zu ermutigen, von der ersten Idee bis zum Exit an ihre Vision zu glauben und ihre Werte tief in die Unternehmenskultur zu verankern, hat sie Namascae ins Leben gerufen. Wer mit ihr arbeitet, arbeitet vor allem an sich selbst – denn das habe einen besonders großen Einfluss auf die Unternehmenskultur.
Eine Führungsperson ist immer auch in einer Vorbildfunktion. Als Beispiel nennt die Gründerin Transparenz in der Kommunikation: Ein wichtiger Wert, der unüberlegt aber auch Nachteile bringt. Kommunizieren Führungskräfte ohne Filter, kann das Unsicherheiten und Verantwortung auf das Team verlagern. Stattdessen sollten Gründer:innen oder Teamleiter:innen für eine transparente Kommunikation einen Schritt vorschalten, einige Zeit mit ihren Emotionen und Gedanken aushalten, bevor Dritte involviert werden.
Carina betont, dass sich Gründer:innen in der Zusammenarbeit erst dann wirklich öffnen, wenn sie sich nicht für ihre Erfahrungen und Herausforderungen verurteilt fühlen. Ihre Aufgabe sieht sie darin, eine wertungsfreie Gesprächspartnerin zu sein – denn „Menschen spüren durch Mimik und Gestik intuitiv, ob sie angenommen werden oder ob jemand insgeheim urteilt.“
Wir freuen uns, Carina und ihre Gründer:innen mit einer monatlichen Kolumne weiter begleiten zu dürfen. Den ersten Beitrag und ihr Profil findest du hier.
1 Next Generation_Startup-Neugründungen in Deutschland_2024
2 Insolvenzen und Liquidationen von Startups bis 2024 | Statista
3 The Untold Toll Report, Startup Snapshot. (2024, 7. Juli)
4 Deutscher Startup Monitor 2024, Startupverband
5 https://leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/resilienz-und-schutzfaktoren/
6 The Untold Toll Report, Startup Snapshot. (2024, 7. Juli)
7 Founder Mental Health, Sifted (2024, 11. March)