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Kolumne
Urlaub als Founder: Wie du Erholung und Arbeit in Einklang bringen kannst
Episode
Date
March 20, 2025
Autor:in
Carina Schulte
Duration
4 Min
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15

Urlaub als Founder: Wie du Erholung und Arbeit in Einklang bringen kannst

Gerade in der Anfangsphase einer Gründung ist die Umstellung enorm. Während du dir im Angestelltenverhältnis keinerlei Gedanken machen musst (das Gehalt kommt am Ende des Monats, Kolleg:innen können deine Arbeit übernehmen), sieht das als Founder ganz anders aus.

Urlaub bedeutet plötzlich nicht nur Kosten für Reise, Unterkunft und Lebenshaltung, sondern auch Opportunitätskosten: Wenn du wirklich frei machen willst und in der Zeit nicht arbeitest, verlierst du sprichwörtlich Geld. Und dann bleibt die Frage: Wer kümmert sich um die liegengebliebenen Aufgaben? Ohne ein Team bist du oft selbst die einzige Lösung.

Die Vorstellung, sich komplett rauszuziehen und "einfach mal zu entspannen", ist für viele Founder kaum vorstellbar – und alles andere als tatsächlich entspannend. Was sollte man also tun, wenn man bemerkt, dass die Energie gerade zu wünschen übrig lässt und man sich den Urlaub so sehnlichst wünscht?

Erholung, die zu dir passt

Hier kommt es ganz darauf an, wie du dich in der aktuellen Situation fühlst und was genau deine Motivation hinter dem Urlaub ist.

Frag dich:

  • Fehlt dir Inspiration? Fühlst du dich unkreativ, als würde dein Kopf keine neuen Impulse bekommen? Dann könnte eine Aktivität in einem neuem Umfeld, was dir neue Energie gibt, das Richtige für dich sein:
    • Die klassische Workation: Du vermeidest die Opportunitätskosten eines „vollen Urlaubs“, bekommst aber durch neue Eindrücke, eine frische Umgebung und vielleicht besseres Wetter einen echten Energieboost – und nein, es muss nicht Bali sein! Check Dein Netzwerk: Gibt es Freund:innen, die du besuchen kannst? Oder verreist jemand in der nächsten Zeit und sucht noch eine:n Haussitter:in?
    • Kleine Trips in deiner Umgebung: Ein Wochenende mit Besuch im Kunstmuseum, ein Spot in der Nähe für eine Wanderung oder ein Tag mit einem neuen Buch in einem gemütlichen Café – wenn du danach Ausschau hältst, wirst du dich wundern, wie viele Hotspots aus deiner eigenen oder der Nachbarstadt du noch nicht für dich entdeckt hast.
    • Ein Bürowechsel: Vielleicht brauchst du auch gar keine „freie Zeit“, sondern einfach nur einen Tapetenwechsel. Mal einen Tag aus dem Café arbeiten oder dich für einen Tag im Co-Working-Space einbuchen. Vielleicht wird daraus sogar ein regelmäßiger Tag unter der Woche, der genau diesen Zweck für dich erfüllt und auf den du dich freuen kannst.
  • Bist du schon am Limit? Anders ist es, wenn allein die Vorstellung, etwas Neues zu planen, dich stresst. Dann ist ein Tapetenwechsel vermutlich nicht das, was du brauchst. Dann solltest du stattdessen bewusste Ruheinseln in deinen Alltag einbauen:
    • Digital-Detox: Kein Mailchecken, kein Social Media, keine To-dos. Dein Gehirn braucht Raum, um die Dinge des Tages zu verarbeiten und neue Kapazitäten zu schaffen. Sei es am Abend, für einen bestimmten Tag in der Woche, oder sogar ein gesamtes Wochenende – erst wenn du detoxed, wirst du merken, wie sehr dein Gehirn es nötig hatte (Marciano et al., 2024).
    • Urlaub für deinen Körper: Vielleicht eine Massage buchen, ins Spa oder das Wochenende zum Tanzen zu deiner Lieblingsmusik nutzen. Hört sich wild an, aber dein Gehirn ist eng mit deinem Körper verbunden, und der Stress und die Anspannung halten sich in deinen Muskeln (APA, 2018). Durch gezieltes Lösen wird es dir leichter fallen, zurück in die Entspannung zu kommen.
    • Ruhe für dein Nervensystem: Ein Wochenende im Wald verbringen, einen Achtsamkeits- oder Meditationskurs buchen oder es dir einfach in deinem Zuhause gemütlich machen und Atemübungen oder geführte Meditationen auf YouTube anhören. Unser Nervensystem muss regelmäßig aus dem “Fight-or-Flight”(Stress-)Modus zurück in den “Rest-and-Digest” (Ruhe-)Modus zurückgebracht werden und dabei können dich gezielte Atem- oder Achtsamkeitstechniken unterstützen (Lynn & Basso, 2023; Marchand, W.R., 2012).

Deine individuelle Erholung

Wichtig ist: Es gibt nicht die eine Lösung und Urlaub muss nicht das klassische Bild von einer Reise sein.

Für Deine Erholung können regelmäßige “Urlaubsinseln” (alle paar Wochen oder Monate) sogar mehr bewirken als eine langfristige Reise. Solange, du deinem Geist und Körper genau das gibst, was sie gerade benötigen.

Vielleicht ist es die Workation, vielleicht ein paar Tage im Tiny House im Wald, oder auch einfach nur der Digital-Detox-Tag in deinem Zuhause. Deine Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten ändern sich mit der Zeit, und das ist vollkommen okay.

Frag Dich einfach:

  1. Benötige ich Ruhe oder Inspiration?
  2. Wie viel Budget habe ich zur Verfügung?
  3. Wie viel Zeit möchte ich mir nehmen?

Und für alle Antworten auf diese Fragen wird sich etwas für Dich finden.

Vergiss dabei nicht: Die Priorisierung deiner Selfcare ist niemals eine Vernachlässigung deines Businesses! Sie ist das Fundament für all deine kognitiven Fähigkeiten; für deine Produktivität, Kreativität und deine besten Entscheidungen.

(1) American Psychological Association. (2018). Stress effects on the body. APA. Retrieved February 21, 2025, from https://www.apa.org/topics/stress/body

(2) Lynn, S., & Basso, J. C. (2023). Effects of a Neuroscience-Based Mindfulness Meditation Program on Psychological Health: Pilot Randomized Controlled Trial. JMIR Formative Research, 7(1), 1–15. https://doi-org.ub-proxy.fernuni-hagen.de/10.2196/40135

(3) Marchand, W. R. (2012). Mindfulness-Based Stress Reduction, Mindfulness-Based Cognitive Therapy, and Zen Meditation for Depression, Anxiety, Pain, and Psychological Distress. Journal of Psychiatric Practice 18(4). P. 233-252, July 2012. | DOI: 10.1097/01.pra.0000416014.53215.86

(4) Marciano, L., Jindal, S. and Viswanath, K. (2024) ‘Digital Detox and Well-Being’, Pediatrics, 154(4), pp. 1–8. doi:10.1542/peds.2024-066142.

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